Produktivität neu denken: Was Deutschlands erfolgreichste Unternehmen anders machen

Juni 24, 2026
Achim Kussmaul

Die Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wird häufig von Themen wie Fachkräftemangel, Bürokratie, Energiepreisen oder geopolitischen Unsicherheiten geprägt. Diese Faktoren sind zweifellos relevant. Gleichzeitig zeigt die aktuelle McKinsey-Studie „Produktivität. Neu gedacht.“ (2026), dass Produktivitätsfortschritte in Deutschland wesentlich stärker von unternehmerischen Entscheidungen abhängen, als oft angenommen wird. 

Die Kraft der Wenigen 

Für die Studie „Produktivität. Neu gedacht.“ analysierte McKinsey rund 16.200 deutsche Unternehmen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: 

Lediglich 29 Unternehmen, das entspricht 0,2 % der untersuchten Stichprobe, erzeugten zwischen 2019 und 2023 rund 47 % des gesamten Produktivitätswachstums der betrachteten Unternehmen. 

Noch interessanter ist die Erkenntnis, dass diese Unternehmen weder einer bestimmten Branche noch einer bestimmten Unternehmensgröße zugeordnet werden können. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Industrie und Dienstleistung, Mittelstand und Konzern oder traditionellen und digitalen Geschäftsmodellen.

Produktivität ist keine Branchenfrage 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die erfolgreichsten Unternehmen vor allem durch ihre Fähigkeit auffallen, strategische Entscheidungen konsequent zu treffen und umzusetzen. Produktivitätssteigerungen entstehen dabei nicht primär durch kurzfristige Effizienzprogramme, sondern durch die gezielte Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsketten und Organisationsstrukturen. 

Damit rückt ein wichtiger Gedanke in den Mittelpunkt: 


Produktivität ist heute weniger eine Frage der Optimierung bestehender Strukturen
als vielmehr eine Frage der Transformation.

Warum reine Effizienzprogramme nicht mehr ausreichen 

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, Prozesse zu verschlanken, Kosten zu senken und Abläufe zu digitalisieren. 

Diese Maßnahmen bleiben wichtig. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen zunehmend schneller: 

Künstliche Intelligenz verändert Wertschöpfungsmodelle. 

Neue Wettbewerber entstehen außerhalb etablierter Branchenlogiken.

Kundenanforderungen entwickeln sich dynamischer. 

Demografische Veränderungen verschärfen den Fachkräftemangel.

Unter diesen Bedingungen reicht es oft nicht mehr aus, bestehende Prozesse lediglich effizienter zu gestalten. Erfolgreiche Unternehmen hinterfragen zunehmend auch die Prozesse selbst sowie die dahinterliegenden Organisations- und Geschäftsmodelle.

Die Rolle von Workforce Transformation 

Genau hier gewinnt das Thema Workforce Transformation an Bedeutung. 

Neue Technologien entfalten ihren Nutzen nicht automatisch durch ihre Einführung. Entscheidend ist, ob Organisationen ihre Mitarbeitenden befähigen, neue Arbeitsweisen anzunehmen und produktiv einzusetzen. 

Die Transformation der Belegschaft umfasst dabei unter anderem: 

  • den Aufbau neuer Kompetenzen, 

  • die Anpassung von Rollen und Verantwortlichkeiten, 

  • die Weiterentwicklung von Führungsmodellen, 

  • die Gestaltung neuer Formen der Zusammenarbeit, 

  • sowie die Verankerung kontinuierlichen Lernens im Arbeitsalltag. 

Produktivität entsteht langfristig nicht allein durch Technologie, sondern durch das Zusammenspiel von Technologie, Prozessen und Menschen. 

Gerade deshalb wird Workforce Transformation zu einem zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern möchten. 

Was Unternehmen daraus ableiten können 

Die Ergebnisse der McKinsey-Studie liefern keine einfache Blaupause. Sie zeigen jedoch deutlich, dass Produktivitätsfortschritte nicht zufällig entstehen. 

Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken wollen, sollten sich insbesondere mit folgenden Fragen beschäftigen: 

  1. Welche Wertschöpfungsprozesse schaffen künftig tatsächlich Differenzierung? 

  1. Welche Kompetenzen werden in den nächsten Jahren benötigt? 

  1. Wo verhindern bestehende Strukturen notwendige Veränderungen? 

  1. Wie kann Lernen stärker in die tägliche Arbeit integriert werden? 

  1. Welche Transformationsinitiativen zahlen unmittelbar auf Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit ein? 

Fazit 

Die Analyse von McKinsey zeigt eindrucksvoll, wie stark Produktivitätswachstum konzentriert sein kann. Eine sehr kleine Gruppe von Unternehmen erzeugt einen überproportional großen Teil des Fortschritts. 

Entscheidend sind dabei weniger Branche oder Unternehmensgröße als vielmehr die Fähigkeit, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und Transformation aktiv zu gestalten. 

Für Unternehmen bedeutet das: 

Die zentrale Herausforderung besteht nicht allein darin, bestehende Prozesse effizienter zu machen. Vielmehr geht es darum, Organisation, Kompetenzen und Arbeitsweisen so weiterzuentwickeln, dass nachhaltige Produktivität auch unter den Bedingungen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Fachkräftemangel möglich bleibt. 

Produktivität ist damit nicht nur eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie wird zunehmend zu einer strategischen Fähigkeit von Organisationen, Wandel erfolgreich zu gestalten. 

Quellen:

McKinsey & Company (2026): „Produktivität. Neu gedacht.“ Analyse von 16.200 deutschen Unternehmen zur Entwicklung der Produktivität zwischen 2019 und 2023. 

McKinsey & Company (2026): „Productivity Reimagined“ 

McKinsey Global Institute (2025): „The Power of One: How Standout Firms Grow National Productivity“ 

McKinsey & Company (2026): „Rewiring Europe: Turning Pressure into Performance“ 

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